Richtungs- und Buchverlust

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Auf der Fahrt von Shrewsbury nach Aberystwyth gab es kaum Höhepunkte, außer vielleicht, dass das Wetter mit jedem Kilometer nach Westen besser wurde. Shrewsbury liegt ja nicht in Wales und man passiert die walisische englische Grenze in Knighton, das noch eine Stadt in Wales ist, der Bahnhof liegt jedoch bereits in England.

Der Zug, der dann aus Shrewsbury weiter auf der Trans-Cambria-Route nach Westen fährt, führt Kurswagen, die teils nach Aberystwyth,teils nach Pwllheli fahren. Am Bahnsteig stand eine Hinweistafel, dass der vordere Zugbereich nach Pwllheli und der hintere nach Aberystwyth fährt. Nun fährt der Zug aber in ein Sackgleis ein und fährt naturgemäß in umgekehrter Richtung wieder aus. Was ist denn nun der vordere und was der hintere Zugbereich? Weder an noch in den Wagen gibt es einen Hinweis, welcher Wagen nun wohin fährt. Natürlich ist es anders als ich es entschieden habe. Es gilt nicht, wie der Zug aus dem Gleis ausfährt, sondern wie er am Abfahrtsbahnhof gestartet ist. Wie soll man das wissen? Das geht nicht nur mir so, sondern viele andere Fahrgäste werden bei der Fahrscheinkontrolle vom Schaffner gebeten, den Wagen zu wechseln, was ein munteres hin und her bedeutet.

Ich hatte mich schon gemeinsam mit einer älteren Dame an einem Vierplatz mit Tisch ausgebreitet. Also mussten wir unseren Kram, Bücher, Notizbücher etc. wieder einpacken und uns aufmachen in den anderen Zugteil. Dort haben wir uns noch einige Zeit nett unterhalten über die „beauties of Wales“ und dass nicht alle Deutschen Nazis (bis dahin war das Gespräch wirklich nett, warum muss es oft eine solche Wendung nehmen?) seien, als die Dame aussteigen musste.

Erst später habe ich gemerkt, dass die Dame beim Umzug meinen Reiseführer mitgenommen hat. Was sag‘ ich, das war kein einfacher Reiserführer, sondern ein Überlebenswerkzeug zwischen zwei Buchdeckeln. „Lonely Planet Wales“‚ dem Kenner bekannt als unentbehrlicher Ratgeber in fast allen Ländern der Welt. Informativ bis hin zu der Frage, wie man mit öffentlichen Verkehrmitteln weiter kommt und welche Unterkünfte Internetzugänge haben. Auch die Hinweise auf vegetarische und vegane Restaurants sind unentbehrlich. Diese hatte die Dame also eingesteckt. Glücklicherweise, sind die Lonely Planet Reiseführer so weit verbreietet, dass man sie so in ziemlich jeder Buchhandlung bekommen kann, so auch in Aberystwyth. Diese habe ich dann auch sofort aufgesucht und erwartungsgemäß hatten sie Exemplar vorrätig. Wie hätte ich sonst die Touristeninformation finden können. Die sind ja nicht notwendigerweise am Bahnhof zu finden, sondern irgendwo in der Stadt.

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