Neapel des Nordens

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Llandudno ist ein Seebad. Es ist der Stadt gelungen ihren viktorianischen Charme über die Zeit zu retten. Eine schöne, breite Promenade, ein Pier, das zu den längsten in Wales zählt und das schon jede Menge Prominenz empfangen hat, wenn deren Schiffe hier angelegt haben. Hotels, Gästehäuser und B&Bs, deren Architektur ebenfalls ihre viktorianische Entstehungszeit verrät, aufgereiht an der Promenade, pastellfarben im Licht. Tatsächlich hat man aus der Entfernung den Eindruck, eine Stadt am Mittelmehr zu sehen. Diese Ansicht der Stadt hat ihr wohl bei den Engländern den Namen „Neapel des Nordens“ eingebracht.

Auch das Leben in der Stadt mutet mediteran an in den Straßencafés. Straßenmusiker und Gaukler in der ganzen Stadt. Dazu gut gelaunte Urlauber.

Allein zwei Dinge passen nicht so ganz in diese Atmosphäre: Der Bahnhof, der auf seinen für eine Stadt dieser Größe ungewöhnlichen fünf Bahnsteigen in der Hochzeit der Stadt und der Eisenbahn jeden Tag mehr als 50 Züge empfangen und verabschiedet hat, ist in einem erbarmungswürdigen Zustand. Die Tore vor den Bahnsteigen und einzelne architektonische Details erinnern noch an diese große Zeit. Aber sonst ist der Bahnhof verfallen und nicht auf dem Stand der Zeit. Dass man mit Zugreisenden kaum noch rechnet (und man sich vielleicht des Bahnhofs auch schämt) zeigt sich schon darin, dass es in der Stadt jede Menge Hinweisschilder für Fußgänger zu allen wichtigen Stellen, sogar zur Busstation gibt. Einen Hinweis auf den Bahnhof sucht man aber vergeblich.

Das Pier, wird zwar als Attraktion gefeiert und ist ausgeschildert, doch nagt sichtbar der Zahn der der Zeit an den Planken, Geländern und Häuschen. Dazu kommt, dass das Pier mit ziemlich billigen und niveaulosen „Amusement“ aufwartet, Spielhöllen mit ihren Automaten auf großen Flächen, Fisch & Chips Buden, und Verkaufsstellen für allerlei Touristentant, das war’s. Ist aber der Trubel des Tages gewichen und die diversen Geschäftchen haben geschlossen, dann macht sich eine eigenartig wehmütig angenehme Atmosphäre auf dem Pier breit. Da gehen Paare jeden alters, setzen sich auf eine der vielen Bänke (die man am Tag wegen des Trubels gar nicht sieht) und schauen auf das Meer. Ein leicht Brise weht im Haar, das Meer ist deutlich zu riechen und in der Ferne hört man die Möwen lachen.

Dann ist da noch der Große Ormen, ein 300 m hoher Hügel, der landeinwärts begrenzt. Erklimmt man ihn zu Fuß oder mithilfe der einen von drei Standseilbahnen in der Welt (die anderen beiden tun in Lissabon und San Franzisco ihren Dienst), so wird einem schnell klar, dass man doch nicht am Mittelmeer ist. Der kalte Wind vom Meer und die fast schon alpine Vegetation zerstören die Illusion der pastelfarbenen Häuser und der Palmen in den Containern an der Promenadebei, die im milden Mikroklima der Bucht gedeihenden. Llandudno liegt in Nordwales am Fuße des Snowdonmassivs, das wird dann schnell klar. Dafür wird man aber mit einer großartigen Aussicht belohnt.

Weniger bekannt ist, dass das Hinterland die Kulisse für die Alicegeschichten von Lewis Caroll bildet. Alice Lidell und ihre Familie besaßen in Llandudno eine Sommerresidenz, in der Lewis Caroll die Familie besuchte und mit den Kinder Ausflüge in die Umgebung machte. Welche Orte sich in welchem Werk wiederfinden, darüber hat mich die Wirtin der Abbey Lodge, meiner Unterkunft für diese Nacht, schnell ins Bild gesetzt. Dass die Stadt im Alicefieber ist, zeigt sie gleich am Bahnhof mit einer riesigen Alicefigur (ach den Originalilustrationen von John Tenniel). Auch sonst finden sich in der Stadt riesige Figuren aus den Geschichten von Caroll.

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