Nach Budapest über Berlin

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Ja, es wäre auch anders möglich gewesen, über Wien zum Beispiel. Wir wollten aber mit dem Eurocity die klassische Route durch Mitteleuropa. Berlin-Prag-Brno-Bratislava-Budapest, durchgehend ca. 12 Stunden.

Deshalb also die Anreise über Berlin, mit einer Übernachtung dort selbst. ICE von Essen nach Berlin etwas weniger als vier Stunden, alles pünktlich, alles hat funktioniert, auch die Klimaanlage trotz ca. 30 Grad Außentemperatur. Früh gebucht hatten wir einen schönen Platz (Vierer mit Tisch am Fenster) reservieren können. Allerdings wurde ab Bochum dann der Nebenviererplatz von drei „ohrenatmenden“ Teenies belegt. „Ohrenatmend“, weil insbesondere Mädels in einem bestimmten Alter die Ohren nicht zum Zuhören brauchen, sondern zum Atmen, weil sie so viel erzählen, dass sie unmöglich noch durch den Mund atmen können. Unglaublich, worüber man unbedingt sprechen muss, in einer Lautstärke, die den ganzen Großraumwagen unterhält. Auch die Familienväter, die offensichtlich zu der Gruppe der Teenies gehörten und ein paar Plätze weiter hinten saßen, hatte ihre infantilen Rückfälle, und neckten sich und ihre Frauen lautstark.

Unglaublich auch der Mann, der zunächst auf unserem Platz saß und sich dann glücklicherweise weiter weg gesetzt hat – nicht weit genug, weil noch zu hören war, wie er seine Umgebung ausgefragt und mit „guten Tipps“ von Erziehung, über Ernährung bis hin zur Strahlenbelastung durch Laser versorgt hat.

Die bedauernswerte Zugchefin musste Fragen nach der von ihrem Kartenlesegerät ausgehenden Strahlenbelastung durch den darin befindlichen Laser beantworten. Konnte sie nicht, was großen Protest des hartnäckigen Herrn zur Folge hatte.

Ohnehin scheint „Bahnpersonalbashing“ ein „Sport“ unserer Tage zu sein: Die Tatsache, dass die Zugchefin eine Dame mit Schwerbehindertenausweis darauf hinwies, dass sie nicht kostenlos im ICE fahren kann und sie ihr freundlicherweise anbot, an der nächsten Station auszusteigen oder eine Fahrkarte bei ihr zu erwerben (sie hätte sie ja auch der üblichen Schwarzfahrerprozedur unterziehen können), hat anschließend laute Lästereien und Proteste anderer Fahrgäste ausgelöst.

Sie hätte doch mal „ein Auge zudrücken können“, meinte das mitfahrende Volk. Was hätte dieses wohl gesagt, wenn die Zugchefin ihre eiegenen Regeln gemacht hätte und deren Fahrscheine mit einem Zugschlag belegt hätte?

Bemerkenswert auch die Mittzwanziger (Studentinnen?), die in Hannover als Teil einer größeren Gruppe zugestiegen sind: Sie belegen die für sie an unserem Viertisch reservierten Plätze nicht nur ohne jeden Gruß, sie sehen uns einfach nicht.

Der Bahnhof Wolfsburg liegt direkt gegen über den VW-Werken und der Volkswagen Autostadt. Bahnhof und Volkswagen sind durch Mittellandkanal getrennt. Nett anzusehen die drei Verkehrsmittel nebeneinander: Auto,Schiff und Zug. Noch im letzten Jahr bin ich zwischen Kanal und Schienen mit dem Fahrrad gefahren. Die Autostadt im Blick.

Am frühen Nachmittag in Berlin angekommen, stellte sich die Frage: Was tun mit dem sonnigen Nachmittag? In der Nähe des Hotels in einer Seitenstraße des Kurfürstendamms stand die Antwort. Die „Call a Bike“ Station der DB gab uns Gelegenheit den Stadtteil Charlottenburg-Wilmersdorf und den Park des Charlottenburger Schlosses mit dem Fahrrad zu erkunden. „Call a Bike“ der Bahn habe ich schon öfter mal in Köln und Hamburg genutzt. Im Zeitalter der Smartphones kinderleicht zu nutzen und auch bezahlbar. Eine der besten Innovationen der Bahn in den letzen Jahren. Sollte weiter verbreitet sein in allen Großstädten. Im Ruhrgebiet macht sich mit Metrobike, nicht kompatibel mit dem Verleihsystem der DB, die Kleinstaaterei breit. Warum kann nicht bundesweit in allen Städten ein einheitliches Fahrradverleihsystem die im Ansatz guten, nachhaltigen Verkehrskonzepte erleichtern?

Hier in Berlin hatten wir mit „Call a Bike“ einen schönen, mobilen Nachmittag.

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