Essen-Berlin-Warschau

Berlin-Warschau-Express in Warszawa Centralna

Berlin-Warschau-Express in Warszawa Centralna

Von Essen in aller Frühe mit dem ICE zum Berliner Ostbahnhof um dort um 9:50 Uhr den berühmten Berlin-Warschau-Express (BWE, EC41) Dazu gibt es das lesenswerte Bich von Steffen Möller: „Expedition zu den Polen: Eine Reise mit dem Berlin-Warszawa-Express“.
Der moderne Großraumwagen wirkt seelenlos. Alles still, leise rauscht die Klimaanlage und der Zug gleitet dahin. So früh am Morgen am dösen die Mitfahrer vor sich hin oder sind in ihre Zeitung vertieft.
Der EC41 zeigt mehr Charakter. Es gibt die früher fast ausschließlich anzutreffenden 6er Abteile. Allerdings sehr gepflegt und mit großzügigem Fußraum.
Überraschender Weise lassen sich trotz Klimaanlage, die sich für jedes Abteil einzeln einstellen lässt, die Fenster öffnen.
Auf unserem Weg nach Osten durchqueren wir das Regengebiet, das im Süden und Osten der Republik soviel Unheil anrichtet. Und richtig, dahinter scheint die Sonne und es ist deutlich wärmer. Interessant ist, dass wir ja meinen, dass wir das Wetter in anderen Gegenden kennen. Die Wetter“shows“ der div. Sender und auch die Wetterapps auf Handy und Tablet suggerieren das.
Im Abteil spielen sich enttäuschende und lustige Geschichten ab:
Zunächst ist das Abteil neben mir mit einem Deutschen, und einem Amerikaner belegt.
Der deutsche spielt dauernd mit seinem Handy herum und muss, wie er ab und zu aufschauend betont, wichtige geschäftliche eMails versenden – „Förderantrag“ wie er gewichtig raunt. Wenn Anrufe eintreffen erwähnt er jedes Mal, dass er mit seinem neuen iPhon5 telefoniert. – Die Statussymbole haben sich gewandelt. Schade, dass der Empfänger der Nachricht oder des Telefonats nicht automatisch sehen, von welchem Gerät die Nachricht kommt.
Der Amerikaner ist auf Osteuropareise um Orte jüdischen Lebens zu besuchen. Er fährt nach Warschau, Prag, Bratislawa, Zagreb und Sofia von dort geht es zurück nach New York. Sehr offen berichtet er über seine Reise. Er sei Veteran des „WW II“ und kenne Europa gut – aber nur den Westen, den er in der Nachkriegszeit als Offizier bereist habe – nun sei der Osten dran.
Als der Schaffner kommt, zeigt sich, dass es mit der deutsch-polnischen Bahnzusammenarbeit doch noch nicht so gut klappt, zwar betreiben sie beide gemeinsam den BWE, doch scheint die Technik noch nicht aufeinander abgestimmt zu sein. Der polnische Kontrolleur kann mit seinem Gerät ein deutsches Onlineticket nicht lesen. Der Scancode ist unterschiedlich, so dass das Ticket vorher von den deutschen Kollegen validiert („gezwickt“) werden muss. In den Bedingungen im Internet (!) stehe das genau beschrieben, wie er in bestem Deutsch beteuert. Das Ticket wurde dem amerikanischen Mitreisenden jedoch von einem deutschen Ticketschalter ausgehändigt. Es blieb nur die Lösung ein neues Ticket zu kaufen.

Einige Zeit später setzt sich eine Polin in unser Abteil und verbringt die Zeit fast nur damit auf ihren beiden Handys zu telefonieren oder auf ihrem Tablet zu lesen. Nicht sehr laut, doch gut verständlich telefoniert sie ungeniert mit Ihrem Freund, ihrem Chef, ihren Kolleginnen, ihren Freundinnen. Unseren Gesprächen hatte Sie wohl entnommen, dass wir deutsche bzw. Amerikaner sind.
Bis zu dem Moment, als ich mir das polnische Reisemagazin vom Tisch genommen und längere Zeit darin las um zu sehen, wie es mit meinen (rezeptiven) Polnischkenntnissen steht.
Ab jetzt ging sie immer in den Gang wenn das Telefon klingelte oder sie selbst jemanden anrief.

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